Jenna von Thäne · Moderatorin & Medien-Allrounderin

Wie eine Preisverleihung dramaturgisch aufgebaut wird – ein Blick hinter die Kulissen

Stell dir den Saal vor: Stehtische, ein bisschen Sektgekicher, jemand sucht noch seinen Platz. Und dann gehen die Lichter runter. Genau in dieser Sekunde entscheidet sich, ob aus einer Aneinanderreihung von Urkundenübergaben ein Abend wird, an den sich alle erinnern. Beim Thema Preisverleihung Moderation Aufbau geht es nämlich nicht um eine Liste, die man von oben nach unten abarbeitet — es geht um Dramaturgie. Um einen Bogen, der trägt. Ich erzähle dir, wie ich so einen Abend von der ersten bis zur letzten Minute denke, damit Spannung entsteht und der große Moment auch wirklich groß wird.

Jenna von Thäne moderiert eine Preisverleihung auf der Bühne

Warum der Aufbau einer Preisverleihung über Erfolg oder Langeweile entscheidet

Eine Preisverleihung hat eine Tücke: Sie wiederholt sich strukturell. Kategorie nennen, Nominierte zeigen, Umschlag öffnen, gratulieren — und das Ganze acht-, zehn-, zwölfmal. Ohne Plan wird daraus schnell ein Abend, bei dem die Gäste ab Kategorie vier auf die Uhr schauen.

Genau deshalb ist der dramaturgische Aufbau das Herzstück. Ich frage mich bei jeder Veranstaltung: Wo beginnt der Bogen, wo ist der Höhepunkt, wie kommen wir wieder runter? Eine Preisverleihung ist im Grunde Theater mit echtem Ausgang. Niemand kennt das Ende — und genau diese Ungewissheit ist dein wertvollster Rohstoff. Meine Aufgabe als Moderatorin ist, diesen Rohstoff nicht zu verschenken, sondern ihn über den ganzen Abend klug zu portionieren.

Der gute Aufbau einer Preisverleihung sorgt dafür, dass das Publikum nie das Gefühl bekommt, abgefertigt zu werden. Stattdessen wächst die Aufmerksamkeit, statt sie zu verlieren. Das ist der ganze Trick — und der ist viel mehr Handwerk als Talent.

Die ersten Minuten: der Einstieg setzt den Ton

Die ersten zwei, drei Minuten sind für mich heilig. In dieser Zeit entscheidet der Saal unbewusst, ob er mir vertraut. Ich begrüße nicht mit „Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich willkommen zur heutigen Verleihung“. Das klingt wie eine Durchsage am Bahnhof. Ich versuche, sofort eine Verbindung herzustellen — mit einem Bild, einer kleinen Beobachtung aus dem Anlass, einem ehrlichen Satz darüber, warum heute Abend wichtig ist.

Wichtig ist auch das Energielevel. Der Einstieg darf hoch sein, aber nicht überdreht. Ich hole die Leute da ab, wo sie sind — nach dem Sektempfang oft noch im Plauder-Modus — und führe sie sanft in die Konzentration. Wer gleich mit Vollgas startet, hat keine Steigerung mehr im Tank.

Und ich kläre früh die Spielregeln des Abends, ohne sie aufzuzählen wie eine Hausordnung. Wie viele Kategorien kommen, wie lang wird es ungefähr, wann gibt es eine Pause. Das beruhigt. Ein Publikum, das weiß, was auf es zukommt, kann sich entspannen und mitgehen.

Der Rhythmus der Kategorien: Spannungsbogen über den ganzen Abend

Hier liegt die eigentliche Kunst. Wenn alle Kategorien gleich behandelt werden, wird der Abend flach. Deshalb baue ich gemeinsam mit dem Veranstalter eine Reihenfolge, die atmet.

Ein paar Prinzipien, an denen ich mich orientiere:

  • Nicht mit der größten Kategorie eröffnen — sonst ist der Gipfel gleich am Anfang erreicht und es geht nur noch bergab.
  • Die wichtigste Auszeichnung möglichst spät — der Hauptpreis ist der emotionale Höhepunkt und gehört nah ans Ende.
  • Tempo variieren: mal eine zügige, lockere Kategorie, dann wieder eine, der man mehr Raum und Würde gibt.
  • Blöcke bilden: kleinere Preise zusammenfassen, größere einzeln inszenieren.
  • Bewusste Pausen einplanen, damit der Saal zwischendurch durchatmen und auch mal lachen kann.

Ich denke in Wellen, nicht in einer geraden Linie. Ein bisschen rauf, ein bisschen runter, und am Ende der große Anstieg. Wenn der Rhythmus stimmt, merkt das niemand bewusst — alle spüren nur, dass der Abend „gut lief“. Genau das ist das Ziel.

Wo Showelemente helfen — und wo sie stören

Musik, ein kurzer Film, ein Live-Act zwischendrin: Solche Elemente sind großartig, um den Rhythmus zu setzen. Sie geben dem Abend Struktur und schenken dem Publikum kleine Atempausen. Aber sie müssen dienen, nicht ablenken. Ein Showblock direkt vor dem Hauptpreis kann die Spannung wunderbar aufladen. Derselbe Block an der falschen Stelle bremst nur aus. Ich plane diese Momente deshalb immer in Bezug auf den Spannungsbogen, nie als bloße Lückenfüller.

Nominierte würdigen — alle, nicht nur die Sieger

Ein Punkt, der mir persönlich am Herzen liegt: Bei jeder Kategorie gibt es meist mehrere Nominierte — und nur einer gewinnt. Das heißt, der Großteil der Menschen auf dieser Bühne (oder im Saal) geht ohne Trophäe nach Hause. Trotzdem haben sie es verdient, gesehen zu werden.

Deshalb nehme ich mir Zeit, die Nominierten ernst vorzustellen. Nicht im Schnelldurchlauf, nicht als Formalie. Eine Nominierung ist eine Anerkennung, und so behandle ich sie auch. In meiner Praxis erlebe ich oft, dass gerade dieser respektvolle Umgang mit den „Nicht-Gewinnern“ den Ton des ganzen Abends prägt. Es entsteht Wertschätzung statt Wettkampfstimmung.

Gleichzeitig darf das nicht in Länge ausarten. Die Balance ist: jeden würdigen, ohne den Bogen zu überdehnen. Das gelingt mit guter Vorbereitung — kurze, treffende Sätze pro Nominiertem schlagen lange, austauschbare Lobreden jederzeit.

Laudationes anmoderieren, ohne die Pointe zu nehmen

Wenn eine Laudatorin oder ein Laudator auf die Bühne kommt, ist meine Rolle eine andere als sonst. Ich bin jetzt die Person, die übergibt — nicht die, die glänzt. Mein Job: die Laudatio anmoderieren, neugierig machen, und dann verschwinden.

Der häufigste Fehler dabei? Die Pointe vorwegnehmen. Wenn ich in der Anmoderation schon erzähle, was den Preisträger so besonders macht, hat die Laudatio nichts mehr zu sagen. Also halte ich mich bewusst zurück. Ich baue eine Brücke, gebe vielleicht einen kleinen Kontext zur laudatio-haltenden Person, und dann ist die Bühne frei.

Das erfordert Disziplin. Es ist verführerisch, selbst noch einen guten Satz zu setzen. Aber gute Moderation heißt manchmal: den Mund halten und anderen den Auftritt gönnen. Wer das nicht kann, steht sich und dem Abend im Weg.

Der Siegermoment: Bühne gehört den Ausgezeichneten

Und dann ist er da — der Moment, auf den alles hinauslief. Der Name wird genannt, der Saal applaudiert, jemand steigt mit weichen Knien auf die Bühne. Das ist der heiligste Augenblick einer Preisverleihung. Und meine wichtigste Aufgabe ist hier, mich klein zu machen.

Der Siegermoment gehört der ausgezeichneten Person. Punkt. Ich gratuliere, reiche vielleicht die Trophäe, und dann trete ich zurück — körperlich und stimmlich. Wenn jemand mit Tränen in den Augen ein paar Worte sagt, ist das nicht der Moment für meinen nächsten cleveren Übergang. Es ist der Moment, in dem ich den Raum halte und sonst nichts.

Diese Fähigkeit, zurückzutreten, unterscheidet für mich gute von durchschnittlicher Eventmoderation. Die Bühne ist nicht meine — ich leihe sie mir nur, um sie im richtigen Augenblick weiterzugeben. Wer als Moderatorin im Siegermoment selbst im Mittelpunkt stehen will, hat das Wesen einer Preisverleihung nicht verstanden.

Was, wenn der Moment emotional wird

Manchmal kippt die Stimmung ins ganz Echte. Eine Dankesrede gerät länger als geplant, jemand wird von Gefühlen überwältigt, der Saal ist gerührt. Solche Augenblicke sind nicht skriptbar — und sie sind das Schönste an meinem Beruf. Ich plane sie nicht weg, ich gebe ihnen Raum. Erst wenn der Moment seinen natürlichen Schlusspunkt gefunden hat, setze ich behutsam den Übergang. Hineinquatschen wäre das Schlimmste, was ich tun könnte.

Tempo, Stimmungswechsel und Übergänge: der Klebstoff des Abends

Ein Abend besteht aus vielen Einzelteilen — Kategorien, Reden, Showacts, Pausen. Was sie zusammenhält, sind die Übergänge. Sie sind der unsichtbare Klebstoff. Schlechte Übergänge fühlen sich an wie Stolperkanten („So, und jetzt zum nächsten Punkt …“). Gute Übergänge merkt niemand — der Abend fließt einfach.

Dazu gehört auch das bewusste Wechseln der Stimmung. Nach einem feierlichen, ernsten Moment darf wieder gelacht werden. Nach einer lockeren Kategorie kann es wieder ruhiger werden. Diese Wechsel halten das Publikum wach. Ein Abend in Dauer-Feierlichkeit ermüdet genauso wie ein Abend in Dauer-Comedy.

Und ganz wichtig: Pausen. Nicht nur die offizielle Pause mit Häppchen, sondern die kleinen Atempausen innerhalb der Moderation. Stille aushalten zu können ist eine der unterschätztesten Fähigkeiten auf der Bühne. Ein Moment Ruhe nach einer berührenden Rede sagt mehr als jeder Satz.

Vorbereitung: Namen, Aussprache und ein Plan B

So viel Spontaneität ein Abend auch braucht — er steht und fällt mit der Vorbereitung. Der peinlichste Fehler bei einer Preisverleihung ist ein falsch ausgesprochener Name. Wer eine Auszeichnung bekommt und dann von der Moderatorin verstümmelt angesprochen wird, erlebt seinen großen Moment mit einem schalen Beigeschmack. Deshalb übe ich Namen vorher — laut, mehrfach, im Zweifel mit Lautschrift.

Genauso wichtig: ein Plan B für die kleinen Pannen, die fast immer passieren. Ein Preisträger ist nicht da. Die Technik zickt. Ein Umschlag fehlt. Eine Rede dauert doppelt so lang wie geplant. Auf all das bin ich vorbereitet, damit der Abend nicht aus dem Takt gerät. Wie tief diese Vorbereitung geht, beschreibe ich auch in meiner Erfahrung — und es ist der Grund, warum ich auf der Bühne so gelassen wirken kann.

Vorbereitung ist nämlich kein Korsett. Im Gegenteil: Je besser ich vorbereitet bin, desto freier kann ich reagieren. Ich kenne den Plan so gut, dass ich ihn jederzeit verlassen und wieder hineinfinden kann. Das ist die Freiheit, die nur aus gründlicher Arbeit entsteht.

Häufige Fragen zum Aufbau einer Preisverleihung

Wie lange dauert eine Preisverleihung?

Das hängt stark von Anzahl der Kategorien und dem Rahmenprogramm ab. Eine fokussierte Verleihung mit wenigen Auszeichnungen kann in gut einer Stunde durch sein, eine große Gala mit Showacts, Dinner und vielen Kategorien zieht sich über mehrere Stunden. Mein Rat: lieber straffer planen und einen echten Höhepunkt setzen, als alles in die Länge ziehen. Ein Abend, der zehn Minuten zu kurz wirkt, ist tausendmal besser als einer, der eine halbe Stunde zu lang war.

Wie viele Kategorien sind sinnvoll?

Es gibt keine feste Zahl, aber eine Faustregel: So viele wie nötig, so wenige wie möglich. Jede Kategorie kostet Aufmerksamkeit. Wenn es viele werden, hilft es, sie in Blöcke zu gliedern, kleinere Preise zusammenzufassen und das Tempo zu variieren. Wichtig ist, dass der Hauptpreis als klarer Höhepunkt erkennbar bleibt und nicht zwischen vielen gleichrangigen Auszeichnungen untergeht.

Was, wenn ein Preisträger fehlt?

Das passiert öfter, als man denkt — Krankheit, Stau, Terminkollision. Genau dafür gibt es den Plan B. Ich würdige die ausgezeichnete Person trotzdem voll, nehme die Auszeichnung stellvertretend entgegen oder lasse eine Vertretung sprechen. Wichtig ist, dass die Würdigung nicht leidet, nur weil jemand nicht da ist. Mit ein bisschen Vorbereitung und Ruhe fällt im Saal gar nicht auf, dass etwas vom Plan abweicht.

Brauche ich ein Skript?

Ein komplettes Wort-für-Wort-Skript brauchst du nicht — das würde dich sogar steif machen. Was du brauchst, ist ein detaillierter Ablaufplan: Reihenfolge der Kategorien, Namen mit Aussprache, Übergänge, Timing, Plan-B-Notizen. Den nutze ich als Sicherheitsnetz, nicht als Käfig. Die genaue Formulierung entsteht im Moment, aber die Struktur steht. So bleibst du flexibel und sicher zugleich.

Lust auf einen Abend mit echtem Spannungsbogen?

Eine Preisverleihung ist mehr als eine Reihe von Urkunden — sie ist ein dramaturgisch gebauter Abend, der Menschen feiert und berührt. Wenn du gerade so einen Abend planst und jemanden suchst, der den Bogen hält, die Namen richtig ausspricht und im großen Moment zurücktreten kann, dann lass uns sprechen. Erzähl mir von deinem Anlass, deinen Kategorien und deinem Publikum — und wir bauen gemeinsam einen Abend, der trägt. Hier geht’s direkt zum Kontakt, und mehr über meine Arbeit als Moderatorin in Leipzig findest du auch dort.