Jenna von Thäne · Moderatorin & Medien-Allrounderin

Warum gute Moderation zu 70 % Vorbereitung ist – mein Briefing-Prozess

Wenn ich nach einem gelungenen Event gefragt werde „Wie machst du das eigentlich, so locker auf der Bühne?“, dann muss ich kurz schmunzeln. Denn das Lockere auf der Bühne ist der kleinste Teil der Arbeit. Der Großteil passiert vorher — am Schreibtisch, am Telefon, im Kopf. Für mich ist gute Moderation Vorbereitung zu rund 70 Prozent. Die restlichen 30 Prozent sind das, was du dann auf der Bühne siehst. Klingt unromantisch? Ist aber genau der Grund, warum es im Moment so leicht aussieht. Ich nehme dich mit hinter die Kulissen und zeige dir, wie mein Briefing-Prozess wirklich abläuft.

Jenna von Thäne bei der Vorbereitung einer Moderation

Warum Moderation zu 70 Prozent Vorbereitung ist

Es gibt diesen Mythos vom Naturtalent, das einfach ans Mikro tritt und alle verzaubert. Schöne Vorstellung. Stimmt nur nicht. Was nach mühelosem Talent aussieht, ist fast immer das Ergebnis von gründlicher Vorbereitung. Die Sicherheit, die ich auf der Bühne ausstrahle, kommt nicht aus dem Nichts — sie kommt daher, dass ich mein Event in- und auswendig kenne.

Stell dir vor, du fährst eine Strecke zum ersten Mal ohne Navi gegen eine, die du schon hundertmal gefahren bist. Im zweiten Fall kannst du dich unterhalten, auf die Landschaft achten, entspannt reagieren, wenn eine Baustelle kommt. Genau so ist es mit Moderation. Wenn ich den Ablauf, die Namen, die Themen und die möglichen Stolperstellen kenne, habe ich den Kopf frei für das Wichtigste: die Menschen im Raum.

Deshalb ist die Vorbereitung kein notwendiges Übel, das ich schnell hinter mich bringe. Sie ist der eigentliche Beruf. Die Bühne ist nur die sichtbare Spitze. Wer hier spart, merkt es spätestens, wenn etwas nicht nach Plan läuft — und das tut es fast immer.

Das Briefing-Gespräch: hier beginnt alles

Bevor ich irgendetwas plane, will ich verstehen. Das Briefing-Gespräch mit dem Veranstalter ist für mich der wichtigste Termin überhaupt. Hier stelle ich Fragen, viele Fragen. Nicht, weil ich neugierig bin (na gut, auch), sondern weil ich nur dann gut moderieren kann, wenn ich das Event aus deiner Perspektive begreife.

Drei Dinge will ich in jedem Briefing klären:

  • Das Ziel des Events. Soll gefeiert, informiert, verkauft, gewürdigt oder verbunden werden? Ein Jubiläum braucht einen anderen Ton als eine Produktvorstellung.
  • Das Publikum. Wer sitzt im Saal? Mitarbeitende, Kunden, Fachleute, eine bunte Mischung? Wie ist die Stimmung, wie förmlich oder locker darf es sein?
  • Die Erwartungen des Veranstalters. Was ist dir wichtig? Wo liegen heikle Punkte? Was soll auf keinen Fall passieren?

Diese Antworten sind mein Fundament. Aus ihnen leite ich Tonalität, Tempo und Schwerpunkte ab. Ein gutes Briefing-Gespräch erspart später zehn Korrekturschleifen — und es ist der Moment, in dem aus „eine Moderatorin buchen“ ein gemeinsames Projekt wird.

Die Fragen, die ich fast immer stelle

Manche Dinge frage ich in jedem Briefing, weil sie so oft den Unterschied machen: Gibt es Sponsoren oder Partner, die genannt werden müssen? Gibt es Tabuthemen? Wer sind die VIPs im Raum? Gibt es eine bestimmte Botschaft, die hängenbleiben soll? Wie viel Spielraum habe ich für eigene, spontane Momente? Diese Fragen wirken klein, aber sie verhindern die großen Pannen.

Der Ablaufplan als Drehbuch

Nach dem Briefing setze ich mich hin und baue den Ablaufplan. Ich nenne ihn gern „Drehbuch“, weil er genau das ist: eine Minute-für-Minute-Choreografie des Abends. Wer spricht wann, wie lang, was kommt davor, was danach, wo sind die Übergänge, wo die Pausen.

Dieses Drehbuch ist kein starres Korsett, sondern eine Landkarte. Ich kenne jeden Punkt so gut, dass ich jederzeit abweichen und wieder zurückfinden kann. Wenn eine Rede überzieht oder ein Programmpunkt ausfällt, weiß ich sofort, wo ich Zeit aufhole oder einen Puffer habe. Diese Sicherheit gibt es nur, wenn der Plan steht — bis ins Detail.

Im Drehbuch stehen auch meine eigenen Anmoderationen, zumindest stichpunktartig. Nicht Wort für Wort — das würde mich steif machen — aber so, dass ich den roten Faden nie verliere. Bei einer Eventmoderation ist dieses Drehbuch das gemeinsame Verständnis zwischen mir, dem Veranstalter und der Technik. Alle wissen, was wann passiert.

Namen und die richtige Aussprache

Ein Detail, das überproportional wichtig ist: Namen. Nichts beschädigt einen Moment so sehr wie ein falsch ausgesprochener Name. Wenn ich jemanden auf die Bühne bitte und seinen Namen verstümmle, ist der gute Eindruck dahin, bevor die Person überhaupt das Mikro erreicht hat.

Deshalb sammle ich vorab alle relevanten Namen — Sprecher, Preisträger, Ehrengäste, Firmen, Produkte. Und ich kläre die Aussprache, wenn ich unsicher bin. Lieber frage ich einmal zu viel nach, als dass ich einen Namen rate. Im Zweifel notiere ich mir die Aussprache lautmalerisch, damit ich sie im Eifer des Gefechts parat habe.

Das gilt besonders bei internationalen Namen, ungewöhnlichen Schreibweisen oder Doppelnamen. Diese Sorgfalt kostet etwas Zeit in der Vorbereitung — und sie ist jede Minute wert. Wer sich gesehen und richtig angesprochen fühlt, ist sofort auf deiner Seite.

Übergänge sind der Knackpunkt

Wenn ich eine Sache nennen müsste, an der man professionelle von durchschnittlicher Moderation unterscheidet, dann sind es die Übergänge. Die einzelnen Programmpunkte kann fast jeder ansagen. Aber der Klebstoff dazwischen — der macht den Unterschied.

Ein schlechter Übergang klingt nach „So, das war’s dazu, und jetzt kommen wir zum nächsten Punkt.“ Ein guter Übergang verbindet, baut eine Brücke, schafft einen logischen oder emotionalen Faden von einem Moment zum nächsten. Das Publikum merkt einen guten Übergang gar nicht — es spürt nur, dass der Abend fließt.

Genau deshalb bereite ich Übergänge bewusst vor. Ich überlege mir, wie ich von einem ernsten Moment wieder in eine lockere Stimmung komme, oder wie ich nach einem Showact elegant zur nächsten Rede überleite. Nicht jeder Übergang lässt sich planen — aber die wichtigen Stellen denke ich vorher durch. So komme ich nie in die gefürchtete „und äääh“-Falle.

Plan B für jeden wichtigen Punkt

Hier kommt eine harte Wahrheit aus meiner Praxis: Bei einem Live-Event geht selten alles exakt nach Plan. Die Technik streikt, ein Sprecher fällt aus, eine Rede dauert doppelt so lang, ein Programmpunkt verschiebt sich. Das ist normal. Was nicht normal sein darf, ist, dass mich das aus der Bahn wirft.

Deshalb habe ich für jeden wichtigen Punkt einen Plan B im Kopf:

  • Was sage ich, wenn die Technik eine Minute braucht?
  • Wie überbrücke ich, wenn der nächste Sprecher noch nicht bereit ist?
  • Was tue ich, wenn ein Ehrengast spontan doch nicht da ist?
  • Wie hole ich Zeit auf, wenn alles länger dauert als geplant?

Diese Notfall-Szenarien gehe ich vorher durch, damit ich im Ernstfall nicht überlegen muss, sondern handeln kann. Das Publikum soll von solchen Pannen am besten gar nichts mitbekommen. Genau diese Ruhe entsteht nicht aus Coolness, sondern aus Vorbereitung.

Recherche zu Themen und Gästen

Je nach Event tauche ich tief in die Inhalte ein. Wenn ich ein Fachpublikum moderiere, will ich die Grundbegriffe der Branche kennen. Wenn ich Gäste interviewe, recherchiere ich, wer sie sind, was sie machen, was spannend an ihnen ist. Niemand möchte von jemandem moderiert werden, der offensichtlich keine Ahnung hat, worum es geht.

Diese Recherche macht mich nicht zur Expertin im jeweiligen Fach — das muss sie auch nicht. Aber sie macht mich zu einer glaubwürdigen Gastgeberin, die die richtigen Fragen stellt und die richtigen Brücken baut. Wenn ich ein Gespräch führe, will ich die eine Frage parat haben, die das Gegenüber noch nie gestellt bekommen hat. Solche Fragen entstehen nur durch Vorbereitung.

Gleichzeitig achte ich darauf, nicht zu überrecherchieren. Es geht nicht darum, mein Wissen zu zeigen — es geht darum, die anderen glänzen zu lassen. Recherche dient dem Gespräch, nicht meinem Ego.

Abstimmung mit Technik und Veranstalter

Ein oft unterschätzter Teil der Vorbereitung: das Team. Eine Moderation funktioniert nur, wenn ich mit der Technik und dem Veranstalter eingespielt bin. Deshalb stimme ich mich vorab ab — und wenn möglich gibt es einen kurzen Soundcheck oder eine Durchsprache vor Ort.

Mit der Technik kläre ich Mikrofone, Einspieler, Lichtwechsel, Musik-Cues. Wer gibt mir das Zeichen, wann ein Video startet? Wie bekomme ich mit, wenn der nächste Programmpunkt bereit ist? Diese kleinen Absprachen verhindern die peinlichen Hänger, bei denen alle auf alle warten.

Mit dem Veranstalter gehe ich kurz vor dem Event nochmal die letzten Änderungen durch. Bei Live-Veranstaltungen ändert sich oft noch etwas in letzter Minute — ein Sprecher mehr, eine Programmverschiebung. Wenn wir das vorher kurz abklären, kann ich es souverän auffangen. Mehr über die Stationen, die mir diese Routine beigebracht haben, findest du in meiner Erfahrung.

Warum gute Vorbereitung Freiheit schafft

Jetzt kommt der scheinbare Widerspruch — und das Wichtigste an meinem ganzen Ansatz: Je gründlicher ich vorbereite, desto spontaner kann ich sein. Das klingt erstmal paradox. Aber es stimmt.

Wenn ich den Ablauf, die Namen, die Themen und die Notfallpläne so verinnerlicht habe, dass ich nicht mehr darüber nachdenken muss, dann ist mein Kopf frei. Frei für den unerwarteten Lacher im Publikum, für die berührende Reaktion auf eine Rede, für den Moment, der so nicht im Drehbuch stand. Genau diese Momente machen ein Event lebendig — und ich kann sie nur einfangen, wenn ich nicht panisch im Plan blättere.

Vorbereitung ist also kein Gegenteil von Spontaneität. Sie ist ihre Voraussetzung. Wer nicht vorbereitet ist, klammert sich an seine Stichpunkte und verpasst das Leben im Raum. Wer gut vorbereitet ist, kann den Plan jederzeit verlassen, weil er weiß, dass er jederzeit zurückfindet. Das ist die Freiheit, die ich meinen Auftraggebern verspreche.

Häufige Fragen zur Moderation und Vorbereitung

Wie viel Vorlauf brauchst du?

Je mehr, desto entspannter — aber es kommt auf die Komplexität an. Für ein größeres Event mit vielen Programmpunkten ist mehrere Wochen Vorlauf ideal, damit Briefing, Ablaufplan und Abstimmung in Ruhe passieren können. Auch kurzfristigere Anfragen lassen sich oft umsetzen, dann wird die Vorbereitung eben dichter. Mein Rat: lieber früh anfragen und gemeinsam in Ruhe planen, als auf den letzten Drücker improvisieren zu müssen.

Was steht in einem guten Briefing?

Ein gutes Briefing klärt das Ziel des Events, das Publikum, den Ablauf, die wichtigen Namen mit Aussprache, die Erwartungen des Veranstalters und mögliche heikle Punkte. Dazu gehören auch praktische Dinge wie Sponsoren-Nennungen, Tabuthemen und der technische Rahmen. Je vollständiger das Briefing, desto weniger Überraschungen am Eventtag. Ich stelle dazu in einem gemeinsamen Gespräch gezielt Fragen — du musst nicht von allein an alles denken.

Improvisierst du gar nicht?

Doch, und zwar ständig — aber auf einem soliden Fundament. Die Struktur steht, die Inhalte kenne ich, die Notfallpläne sind im Kopf. Innerhalb dieses Rahmens improvisiere ich frei: auf Reaktionen aus dem Publikum, auf den Moment, auf das, was gerade passiert. Gute Improvisation ist nicht das Gegenteil von Vorbereitung, sondern ihr Ergebnis. Erst die Sicherheit erlaubt mir, locker und spontan zu sein.

Wer erstellt den Ablaufplan?

Das ist Teamwork. Oft gibt es vom Veranstalter schon ein Grundgerüst — die Programmpunkte, Zeiten, Sprecher. Ich nehme das und baue daraus ein moderationstaugliches Drehbuch mit Übergängen, Timing-Puffern und meinen An- und Abmoderationen. Den finalen Plan stimmen wir dann gemeinsam ab. So entsteht ein Ablauf, den alle Beteiligten verstehen und der auf der Bühne wirklich funktioniert.

Lass uns dein Event gemeinsam vorbereiten

Wenn du jetzt denkst „Genau so eine vorbereitete, verlässliche Moderation will ich“ — dann lass uns ins Gespräch kommen. Erzähl mir von deinem Event, deinem Ziel und deinem Publikum, und ich zeige dir, wie ich daraus ein durchdachtes Drehbuch baue. Gute Vorbereitung beginnt mit dem ersten Gespräch — also schreib mir gern über den Kontakt. Ob klassische Eventmoderation, Messemoderation oder ein moderiertes Gespräch: Die Sorgfalt dahinter bleibt dieselbe.