
Go, Girl! Warum wir unsere Erfolge öfter feiern sollten
Vom Träumen, Ausprobieren, Hinfallen und Weitermachen – und warum wir viel häufiger stolz auf das sein sollten, was wir längst geschafft haben.

Wann hast du dich zuletzt selbst gefeiert?
Nicht erst für den einen großen Durchbruch, den Preis oder das perfekte Projekt. Sondern dafür, dass du losgegangen bist. Dass du etwas ausprobiert hast. Dass du hingefallen und trotzdem wieder aufgestanden bist.
Wir erinnern uns oft deutlicher an das, was nicht funktioniert hat, als an alles, was längst gut gelaufen ist. Eine Absage bleibt manchmal länger im Kopf als fünf Zusagen. Deshalb sollten wir öfter innehalten, uns umdrehen und sehen, wie weit wir schon gekommen sind.


Mein Weg war nie eine gerade Linie – und das ist gut so
Ich bin in Berlin-Marzahn aufgewachsen, in einer Plattenbausiedlung, gemeinsam mit drei Geschwistern. Schon als Kind war für mich klar: Ich möchte Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin werden. Hauptsache Bühne!
Das war leichter geträumt als gemacht. Geld für Gesangs-, Klavier-, Schauspiel- oder Tanzunterricht gab es nicht. Auch niemanden, der sich in der Medienbranche auskannte, mir Türen öffnen oder erklären konnte, welchen Weg man nehmen muss. Vitamin B? Fand ich lange Zeit höchstens in der Drogerie.
Als mir bei GZSZ geraten wurde, zunächst etwas „Vernünftiges“ zu lernen, machte ich eine Ausbildung zur Veranstaltungstechnikerin. Ganz von der Bühne fernhalten konnte mich das natürlich nicht. Ich sang in einer Liedermachergruppe, spielte Umhängekeyboard, wechselte später an den Bass und stand mit verschiedenen Bands auf der Bühne.
Bollmer: Mit Bass und Backings/Gesang ging es als Vorband von Unheilig bis in die großen Stadien.
Ballerinas: Mit der Girl-Band haben wir unter anderem die eine oder andere Universal-Party gecrasht.
Danach folgten ein Medientechnikstudium mit dem Schwerpunkt Hörfunk und Fernsehen und ein journalistisches Volontariat. Ich schaffte es zu meinem Lieblingsradiosender STAR FM Berlin. Dort durfte ich Content kreieren, mit T-Bone und Bianca in der Morning-Show moderieren und mit Linda van de Mars meine eigene „Mars, Cars, Stars Motorshow“ verwirklichen. Das war verrückt – und ich bin sehr dankbar dafür. Denn ja: In meinem Herzen schlägt ein Rocker-Herz.
Danach bekam ich die Chance auf eine eigene Radiosendung bei ENERGY Sachsen. Dafür ging es nach Leipzig – in die Stadt, der ich bis heute treu geblieben bin, weil ich sie so sehr lieben gelernt habe. Zweieinhalb Jahre brachte ich Sachsen gut gelaunt durch den Vormittag. Dann kündigte ich ausgerechnet den Job, von dem ich so lange geträumt hatte, um den nächsten Schritt Richtung Fernsehen zu wagen. Wie mutig – und aufregend – sich dieser Wechsel damals anfühlte, erzählt auch der TAG24-Artikel über meinen Abschied von ENERGY Sachsen.
Später arbeitete ich als Autorin, Reporterin und Host vor der Kamera. Heute bin ich selbstständig für unterschiedliche Produktionen und Formate von ARD, MDR, RTL, n-tv und ZDF im Einsatz. Einen ausführlicheren Blick auf diese Stationen findest du in meinem Werdegang. Auch Live- und Eventmoderationen gehören seit vielen Jahren zu meinem Beruf.
Wenn ich das heute so aufschreibe, klingt es fast, als hätte ein Schritt ganz selbstverständlich zum nächsten geführt. Hat er aber nicht.
Und plötzlich ist da ganz schön viel
Wenn ich all diese Momente nebeneinander sehe, denke ich selbst manchmal: Krass, das habe ich alles gemacht. Fernsehen, Events, Podcast, Lehre, Stimme – ganz unterschiedliche Aufgaben, aber immer mit Neugier, Energie und Lust auf Menschen.
Jugend forscht Sachsen-Anhalt
MDR um Vier – Live-Reporterin
VHS-Kursleiterin
SingAlong Mitsing-Event
Podcast-Host
TV-Autorin & Host
Modenschau für MEIN FISCHER
Sprecherin für das ZDF
Warm-up für KiKA LIVE

Zwischen Traumjob und Existenzangst
Mein Weg in die Medienbranche war voller Umwege, verschlossener Türen und Fragezeichen. Ohne finanzielle Mittel und die richtigen Kontakte fühlte sich der Traumjob manchmal an wie eine Mission zum Mars: faszinierend, aufregend und unerreichbar weit weg.
Es gab Phasen, in denen meine Mails, Anrufe und Ideen scheinbar im Nirwana verschwanden. Es gab Existenzangst, Selbstzweifel und die Frage, ob ich nicht doch alles hinschmeißen sollte.
In der Selbstständigkeit kommen Jobs und gehen wieder. Neue Auftraggeber öffnen ihre Türen, andere bleiben unerreicht – dazu vielleicht in einem anderen Artikel einmal mehr. Ich erfinde mich stetig neu, lerne dazu und entwickle mich weiter. Nicht nur, weil ich es muss, sondern weil es mir Spaß macht.
Ich bin Medien-Allrounderin und passe vermutlich in keine ordentlich beschriftete Schublade. Dafür kenne ich die Bühne und die Arbeit dahinter. Ich kann moderieren, recherchieren, schreiben, berichten und sprechen. Ich mache komplexe Themen verständlich, nehme Menschen mit, kann begeistern und motivieren.
Ich bin neugierig, spontan und kreativ und bringe gern eine ordentliche Portion positive Energie mit. Ich arbeite professionell, ohne steif zu sein, bin für fast jeden Spaß zu haben und mag besonders Projekte, bei denen ich Menschen erreichen und echte Persönlichkeit zeigen darf.

Niemand muss alles können – Perfektion ist out!
Social Media zeigt Premieren, Traumjobs, Auszeichnungen und strahlende Gesichter. Kaum ein Unternehmer:in postet täglich, was gerade nicht geklappt hat. So vergleichen wir schnell unser ganzes, manchmal chaotisches Leben mit den sorgfältig ausgewählten Erfolgsmomenten anderer.
Dabei wollen Menschen keine unnahbare Perfektion. Sie wollen echte Persönlichkeiten: nahbar, authentisch und menschlich. Fehler dürfen sein. Sie zeigen, dass wir uns etwas getraut haben. Wer erst losgeht, wenn garantiert nichts schiefgehen kann, bleibt wahrscheinlich ziemlich lange stehen.
Hinfallen. Durchatmen. Stolz sein.
Eine Absage darf wehtun. Ein gescheitertes Herzensprojekt darf uns enttäuschen. Wir müssen Rückschläge nicht schönreden – aber wir dürfen ihnen auch nicht erlauben, unseren ganzen Weg kleinzumachen.
Nicht jeder Versuch führt zum erhofften Ziel. Manchmal schenkt er uns stattdessen eine neue Fähigkeit, eine Erkenntnis, einen Kontakt oder eine Richtung, die wir vorher nicht gesehen haben. Auch das ist ein Ergebnis.
Zwischen all dem Arbeiten und Weitermachen dürfen wir feiern, was bereits da ist: den mutigen Anfang, den kleinen Fortschritt, die überstandene Krise und sogar den Versuch, den niemand gesehen hat. Stolz zu sein bedeutet nicht, am Ziel zu sein. Oft gibt uns erst der Blick zurück die Kraft für den nächsten Schritt.

Einfach machen
Vielleicht trägst du einen Traum mit dir herum, der zu groß, zu verrückt oder zu unrealistisch wirkt. Vielleicht fehlen dir Kontakte, Geld, Erfahrung oder ein fertiger Plan. Vielleicht glaubst du, alle anderen wüssten besser, wie es geht.
Vielleicht sind sie aber auch einfach trotzdem losgegangen.
Wir brauchen offene Türen und echte Chancengleichheit – besonders in einer Medienbranche, die nicht immer nur bekannte Wege und bekannte Namen berücksichtigen darf. Gleichzeitig können wir uns selbst die Erlaubnis geben, anzufangen.
Wer nichts macht, macht vielleicht auch nichts falsch. Aber er findet ebenso wenig heraus, was möglich gewesen wäre.
Und mal ehrlich: Was ist das Schlimmste, das passieren kann?
Dass der quatschhafte Traum am Ende wahr wird?
Go, Girl!
Fotos: Jörg Weimann Media
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